Facharzttermine
Geschrieben von Michael Herzau Geschrieben auf .
Facharzttermine oft erst nach Wochen? Der SPD-Fraktionschef will Schluss damit machen – und setzt auf Druck bei der Ärztevergütung. Eine deutliche Antwort auf seine Vorschläge kommt postwendend von der KBV.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch fordert einen gesetzlichen Anspruch auf einen zeitnahen Termin beim Facharzt. „Angemessen wären etwa drei Wochen“, sagte Miersch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es sei nicht gerecht, dass Privatversicherte schneller einen Facharzttermin bekämen, als gesetzlich Versicherte.
Als Möglichkeit schlug Miersch ein „Bonus-Malus-System in der Ärztevergütung“ vor. „Wer keine Termine anbietet, dessen Budget sinkt. Alternativ könnte das Geld dann an Kliniken gehen, die mit ambulanten Arztterminen einspringen.“
In der Debatte um lange Wartezeiten für Facharzttermine hatte schon der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Termingarantie bei Fachärzten für gesetzlich Versicherte gefordert. Nach einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Linken-Anfrage betrug bei gesetzlich Versicherten, die mindestens einen Tag auf einen Facharzttermin gewartet haben, die Wartezeit 2024 durchschnittlich 42 Tage.
Aktuell arbeitet eine von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Expertenkommission an Vorschlägen für Einsparungen bei der Gesundheitsversorgung. Sie soll ihre Ergebnisse kommende Woche vorstellen.
KBV sieht "Wunschträume aus der sozialistischen Mottenkiste"
Die erste Reaktion auf den Vorschlag Mierschs kam am Freitag von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: „Die Vorstellungen einiger führender Politikvertreter sind, gelinde gesagt, geprägt von Unkenntnis der realen Versorgungssituation sowie einer unerträglichen Regelungswut, die faktisch nicht funktionieren kann und ins Leere läuft“, betonte Dr. Andreas Gassen.
Eine Milliarde Arzt-Patienten-Kontakte und über 600 Millionen Behandlungsfälle jährlich sprechen dem KBV-Chef zufolge eine beredte Sprache und bildeten 97 Prozent des Versorgungsgeschehens ab. „Über 40 Millionen Termine erbringen die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen umsonst, sozusagen ,aufs Haus'. Und nun schlägt der SPD-Fraktionschef allen Ernstes vor, das ohnehin nicht ausreichende Budget mit einem sogenannten Bonus-Malus-System zu versehen.“
Dahinter stecke offenbar die selbstverständliche Erwartung, dass die Praxen bei immer weniger finanziellen Mitteln für die Patientenversorgung trotzdem immer mehr leisteten. Gassen: "Um es klar zu sagen: Termine werden zuallererst nach medizinischer Notwendigkeit vergeben, nicht nach politischen Wunschträumen aus der sozialistischen Mottenkiste." Die letzten Wahlergebnisse zeigten, dass auch die Menschen im Land solche Vorschläge nicht mehr ernst nähmen oder gar goutierten. „Ein nicht ernst gemeinter Tipp an Herrn Miersch: Bitte auch die Zahl der Sonnenscheintage in Deutschland per Gesetz verbindlich regeln. Das wird das Wetter mächtig beeindrucken.“