Praxisschließungen
Geschrieben von Michael Herzau Geschrieben auf .
SpiFa kündigt flächendeckende Praxisschließungen an
Der Protest der Fachärzteschaft gegen das geplante GKV-Spargesetz erreicht eine neue Eskalationsstufe. Sollte das Gesetz wie geplant in Kraft treten, will der SpiFa ab 2027 Facharzttermine zum Quartalsende über mehrere Wochen stark einschränken.
Nach einem Beschluss seiner Mitgliedsverbände sollen Facharztpraxen ab 2027 jeweils zum Ende eines Quartals ihre Sprechstunden über mehrere Wochen deutlich reduzieren oder ganz einstellen, falls das Gesetz in seiner jetzigen Form verabschiedet wird. Das teilte der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) am Freitagnachmittag mit.
„Uns Fachärztinnen und Fachärzten reicht es“, erklärte der SpiFa-Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Heinrich. Man habe die Politik seit Monaten vor den Auswirkungen des Gesetzes gewarnt und eigene Vorschläge eingebracht. „Wir wurden ignoriert. Sollte das Gesetz so kommen, müssen Politik und Gesellschaft sich ab 2027 auf 4-Tage-Wochen in fachärztlichen Praxen und über Wochen geschlossene Praxen zu jedem Quartalsende einstellen. Die Gründe werden wir unseren Patientinnen und Patienten bis dahin über eine Kampagne in den Wartezimmern detailliert darlegen.“
Der Verband wirft der Bundesregierung vor, mit dem GKV-Spargesetz ausgerechnet die fachärztliche Versorgung überproportional zu belasten. Betroffen seien unter anderem Augenärzte, Frauenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Urologen, Orthopäden sowie Psychiater, Neurologen und Chirurgen.
Nach Auffassung des SpiFa führen die geplanten Einsparungen zwangsläufig zu einem geringeren Behandlungsangebot. „Den Patientinnen und Patienten wird aktuell immer noch erzählt, die Einsparungen hätten mit Leistungskürzungen nichts zu tun. Das ist völliger Unsinn. Jeder Euro, der nicht mehr in die Versorgung fließt, führt zu einer Reduktion des Behandlungsangebotes – weniger Sprechstunden, längere Wartezeiten auf Termine“, sagte Heinrich weiter.
Kritik an Sparzielen
Der SpiFa hält das Gesetz auch gesundheitspolitisch für widersprüchlich. Während die Bundesregierung die Ambulantisierung stärken wolle, verschlechtere sie gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte.
Heinrich: „Die Politik spricht von Ambulantisierung, spart die ambulante Versorgung jetzt systematisch kaputt und zwingt die Patientinnen und Patienten damit zu unnötigen Aufenthalten in Krankenhäusern, obwohl die Krankenhausversorgung den mit Abstand größten Kostenfaktor im Gesundheitswesen darstellt. Überfüllte Notaufnahmen sind völlig absehbar.“
Der Verband fordert die Bundesregierung auf, den Gesetzentwurf im weiteren parlamentarischen Verfahren grundlegend zu überarbeiten. Andernfalls drohe insbesondere in strukturschwachen Regionen ein weiterer Rückgang des fachärztlichen Versorgungsangebots.
26.06.2026 18:22, Autor: mm © änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG
Quelle: https://www.aend.de/article/241220